24. Dezember 2005 - Kirche Meilen - Predigt Pfr. Mathias Rissi Jes 60:1-3;6

 

Jesaja 60, 1-3;6

 

Liebe Gemeinde

Nachdem man uns die Weihnachtsgeschichte so schön demontiert hat* – wollen wir sie wieder zusammensetzen: Wir wissen natürlich schon lange, daß sie vom Ende her gedacht ist: die ersten Christen interessierten sich für den auferstandenen Gekreuzigten. Erst später wollten sie auch mit den Geburtsgeschichten verkündigen, wer Christus für uns ist. Und genau das feiern wir heute Abend: Wer Jesus Christus für uns ist und wer wir für ihn sind!

Warum berichten die Geburtsgeschichten bei Lukas von Krippe und Hirten und bei Matthäus vom Stern und von Weisen aus dem Morgenland. Und wie kommen Könige an die Krippe? Kommen Sie aus dem Morgenland? Vielleicht. Aber sie kommen nicht aus den Weihnachtsgeschichten des Neuen Testamentes.

Von klein auf haben wir die Weihnachtsgeschichte so gehört und in ungezählten Krippenspielen so erlebt. Wer wollte da so pingelig sein und deswegen mit der lieben, alten Tradition brechen? Darum haben wir sie heute Abend auch unter uns: die Hirten von Lukas vereint mit Matthäus' Magiern in Königsgewändern friedlich vereint an der Krippe. Und natürlich auch, weil doch mehr dahinter steckt als bloße Tradition.

Ich glaube zu wissen, woher sie kommen, unsere Weihnachtskönige. Dazu hören wir jetzt auf das Gotteswort im Jesaja im 60. Kapitel. Es war schon über 500 Jahre alt, als der Erlösers geboren wurde und hatte sich als Verheißung tief in die Herzen des Volkes eingeprägt:

Jesaja 60, Verse1-3 und 6: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht…. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.

Mache dich auf und werde licht! mit diesem weihnachtlichen Befehl beginnt das Gotteswort des Propheten. Es findet Aufnahme in unseren Herzen. - Ja, es würde mich erstaunen, wenn das nicht auch Ihre große Sehnsucht wäre: ein lichter Mensch zu werden und sich herausholen zu lassen aus der Dunkelheit der Welt hin zum Licht. Es ist wie ein Gleichnis: Wir sind durch die dunkle Nacht zur Kirche gekommen, um miteinander das Weihnachtsfest in seinem Glanz zu feiern.

Mache dich auf werde Licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf über dir. Man müßte es erfinden, wäre es nicht schon liebe Tradition. Nicht nur der Geschenke und guten

Wünsche wegen, sondern weil es wie ein Kristallisationspunkt für unsere Sehnsucht ist: das alte liebe Fest mit Kerzen, inniger Musik und festlichem Glanz.

Gott weiß um unsere Finsternis. Ja, aus der Dunkelheit kommen wir. Darüber hinweg täuschen keine festlich geschmückten Straßen und Häuser. Und manchmal werde ich den Eindruck nicht los, je dunkler die Zeit, desto üppiger seien unsere Bemühungen für Weihnachten. Manchmal ist es so dunkel, da würde ich am liebsten keine Nachrichten mehr hören und keine Zeitung lesen.

Wo es dunkel ist, wächst Angst und die Sorge breitet sich aus.
Wenn ein Kind sich in der Dunkelheit der Nacht fürchtet, reicht es, wenn die Eltern ihm die Zimmertür einen Spalt breit offen stehen lassen. Dann hat es einen Lichtschimmer vom Gang und die Angst ist weg. Wenn es nur für uns Erwachsene auch so einfach wäre. - Aus welcher Dunkelheit du heute Abend in den Gottesdienst gekommen bist, weiß vielleicht kein Mensch. Und die Kerzen oder der Lampen mag sie nicht zu vertreiben.

Aber Gott bringt dieses Licht in die Welt: Mache dich auf werde licht, denn dein Licht kommt. Ein Licht, vor dem alles andere verblaßt!
Dies ist die starke Botschaft von Weihnachten. Welch eine Gnade ist die Geburt des Christus!
Gott – der ewige große Gott, der durch sein Wort und seinen Willen das Universum entstehen ließ – er verbindet sich mit uns. Er wurde geboren, ein Mensch! um Tröster, Ermahner, Heiland für Leib uns Seele und Retter zu werden. Als Erwachsener wird er sagen: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)
Da geht wirklich ein großes Licht auf: mit deiner ganzen Identität, deinen Erfolgen, deiner Hinfälligkeit – er erkennt dich und nimmt dich an!

Vom diesem Kinde geht der Glanz der Herrlichkeit Gottes aus. Dies ist die großartige Botschaft von Weihnachten.
Aber andrerseits, was ist daran schon großartig. Ist die Weihnachtsgeschichte nicht viel eher rätselhaft und geheimnisvoll: im Stall, ein Kind in einer Futterkrippe, ein ärmliches Paar, Maria und Joseph dabei, dazu die einfachen Hirten. Zwar kommen eindrückliche Menschen aus fremden Völkern, zwar nicht Könige, aber immerhin wohlhabende Sterndeuter. Sie fallen vor dem Kind auf die Knie und huldigen ihm.

Aber hatte nicht Jesaja verheißen, daß Könige kämen? Müssen es vielleicht Könige sein? Auch für uns demokratisch gesinnte Schweizer? Vielleicht schon: Mußte es in Klosters nicht auch ein Fastkönig sein, der die Umfahrungsstrasse eröffnete?

Normalerweise aber geht das Volk vor dem Glanz der Könige in die Knie. In der Weihnachtstradition ist es jedoch anders: Hier aber fallen Könige vor der überwältigenden Herrlichkeit Gottes auf die Knie. Selbst Könige können die Herrlichkeit Gottes nicht anders begreifen, als indem sie klein werden. Das sind wahrhaft königliche Menschen, die sich selbst nicht genug sind, sondern sich von Gott beschenkt wissen.

Es ist gut dieses Bild von knienden Königen im Herzen zu behalten.
Wir wissen nämlich: Die Sterndeuter sind wieder nach Hause gegangen. Weitere Könige sind nicht mehr gekommen. Und aus dem Kind wurde kein Prinz, sondern ein Zimmermann. Als Erwachsener ist er durch die Gegend gezogen hat gepredigt und geheilt und sich Freunde und Feinde geschaffen. Gut 30-jährig wurde er mit zwei Verbrechern hingerichtet. Und als alle Hoffnung begraben war, ging noch einmal über dem Volk, das im Dunkel des Todes wandelt, ein Licht auf: die Auferstehung.

Darum soll es uns nicht verwundern, wenn die Sterndeuter von Matthäus in den Krippenspielen Könige geworden sind. Denn schon Jesaja hat es gewußt: Völker strömen zu deinem Lichte, und Könige zum Glanz Gottes, der in aller Unscheinbarkeit und Armut von Christus ausgeht hinein in diese Welt und in dein Leben.

Die Sterndeuter der Weihnachtsgeschichte haben königliche Gaben gebracht: Gold und Weihrauch – logisch, so stand es ja schon bei Jesaja!


Wie kommen wir zu ihm ins Licht? Was bringen wir ihm dar?  Dies: daß wir selber ohne Vorbehalt uns diesem Licht öffnen und Gottes Liebe für unser Leben schenken lassen. Was unsere Gaben sind, dazu legt das Weihnachtslied »Ich steh an deiner Krippe hier« uns die passenden Worte dazu in den Mund: »Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn. Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und laß dir's wohlgefallen. «

Amen


 

* z.B. im Tagesanzeiger vom Freitag, 23. Dezember 2005 mit der Schlagzeile: «Jesus Christus wurde nicht in Bethlehem geboren»
Dazu wäre anzumerken, dass die Forschung, auch die theologische, immer nur den aktuellen Stand der Kenntnisse, bzw. des Irrtums wiedergibt.

Pfr. Mathias Rissi

 

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